Kleine Zeichen

Was tun wenn die Angstkatze endlich unter dem Sofa vorkommt?

Achtzehn Nachrichten liegen allein in meinem Postfach, und fast alle stellen dieselbe Frage: Was macht man eigentlich, wenn die Angstkatze wirklich unter dem Sofa vorkommt? Ich bin Grafikdesignerin aus Leipzig, keine Tierkommunikatorin und keine Verhaltenstherapeutin, aber ich führe ein Tierkommunikations-Tagebuch über genau diesen einen Moment mit meiner Tierschutzkatze aus Rumänien – und ich gebe hier ehrlich die Antworten weiter, die für mich tatsächlich etwas verändert haben, ohne sie schöner zu machen als sie sind.

Die kurze Antwort vorweg: nichts von dem, was ich zuerst versucht habe.

Warum sie sich zeigt, und warum dann wieder tagelang nichts passiert

Fast jede Nachricht in meinem Postfach geht von derselben Annahme aus, dass ein einziges großes Ereignis den Unterschied macht – der eine Moment, in dem die Katze rauskommt und ab dann alles gut wird. So war es bei mir nicht.

Irgendwann hatte ich angefangen, das Handy einfach flach auf den Boden zu legen und unter das Sofa zu fotografieren, ohne selbst hinzusehen – aus reiner Ungeduld. Auf einem der Bilder, die ich später am Bildschirm durchgeklickt habe, blickt sie direkt in die Linse. Kein Fluchtreflex, kein Rückzug tiefer in die Dunkelheit. Nur zwei Augen, die zurückschauen, als hätte sie genau gewusst, dass da jemand ist.

Das ist vermutlich vergleichbar mit einem Kollegen, der im Meeting kaum etwas sagt – man liest trotzdem an der Körperhaltung, ob ein Vorschlag ankommt oder nicht. Bei den kleinen Zeichen ist es bei ihr ähnlich, und manchmal kommt dabei gar kein inneres Bild, sondern nur ein diffuses Gefühl, das ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben habe.

Pfote einer Angstkatze setzt vorsichtig einen Schritt auf den Boden – erster Moment aus den Angstkatze-Tipps im Tierkommunikations-Tagebuch

Was soll ich konkret tun, wenn sie wirklich vor mir steht?

Am meisten hilft, in diesem Moment gar nichts Besonderes zu tun. Weiteratmen, hörbar und ruhig, ohne die Schultern hochzuziehen. Entsteht Blickkontakt, dann nur kurz und mit einem betont langsamen Blinzeln, nie ein starrer Blick. Leckerlis würde ich nicht in ihre Richtung werfen, das wirkt wie eine Aufforderung, und Aufforderungen sind für eine Katze, die gerade ihren ganzen Mut zusammengenommen hat, meist zu viel. Besser liegen sie schon vorher irgendwo im Raum, wo sie sie von sich aus entdeckt. Der Rückweg zum Sofa bleibt außerdem immer frei, weil eine Straßenkatze offenbar fast immer eine Fluchtroute im Kopf braucht, bevor sie sich auf irgendetwas einlässt. Das einfache Sitzenbleiben vor dem Sofa, ganz ohne Erwartung, gehört für mich in dieselbe Kategorie, auch wenn das an anderer Stelle mehr Raum bekommt. Was sich zusätzlich an Ohrstellung oder Blinzeln ablesen lässt, ist wieder ein eigenes Kapitel für sich.

Angstkatze-Tipps zum Ignorieren – warum weniger Aufmerksamkeit mehr bewirkt

Direkte Aufmerksamkeit erzeugt Druck, das ist inzwischen so etwas wie eine Grundregel für mich geworden. Wenn sie sich zeigt, halte ich das Skizzenbuch fest und mache weiter, was ich sowieso gerade gemacht habe, statt mich ihr zuzuwenden. Kein Anstarren, kein Vorbeugen, kein aufgeregtes Ansprechen.

Vertrauen aufzubauen, ohne sie dabei zu bedrängen, ist diese eine Übung in Dauerschleife, immer wieder, ein eigenes Thema, das für sich schon einen ganzen Beitrag füllt.

Ohr einer Tierschutzkatze registriert aufmerksam jedes Geräusch im Raum – Beobachtung aus dem Tierkommunikations-Tagebuch

Die Methode, die bei mir nicht funktioniert hat

Einen Pheromon-Diffusor habe ich an drei verschiedenen Stellen in der Wohnung ausprobiert, weil im Kursforum mehrere Leute schworen, dass er einen Unterschied macht. Bei mir: nichts, das ich mit Sicherheit darauf zurückführen könnte. Vielleicht hat er in kleinen Dosen mitgeholfen, vielleicht war es reiner Zufall, dass sie in dieser Zeit ohnehin ruhiger wurde. Ich kann es nicht sauber trennen, und genau das macht mich bei solchen Empfehlungen inzwischen vorsichtiger.

Philippa hat mir kürzlich einen meiner Tagebucheinträge laut vorgelesen, so wie sie es öfter macht, fast wie ein Projekt-Briefing, das durchgegangen wird – und meinte trocken, dass ich mir mit meiner eigenen Ungeduld selbst im Weg stehe. Diese Art von Blockade, bei der der eigene Kopf offenbar mehr filtert als die Katze überhaupt sendet, ist ein Thema, das ich an anderer Stelle genauer aufgedröselt habe.

Bildet man sich das alles nur ein?

Ja. Manchmal sitze ich da und denke: Vielleicht bildest du dir das WIRKLICH alles nur ein.

Noa aus meinem Kurs hat einen Hund statt einer Katze, und als ich ihr von dem Foto erzählte, hat sie sofort nachgefragt, was ich wirklich gesehen habe – nicht das, was ich mir später zurechtgelegt haben könnte. Dieser Unterschied zwischen einem eigenen Gedanken und einem echten Bild ist inzwischen die Frage, die ich mir bei jedem Eintrag zuerst stelle.

Diese Anfängerzweifel, die Frage, ob überhaupt etwas passiert oder ob man sich das Ganze schönredet, kenne ich gut, auch wenn sie nie ganz verschwinden.

Fernarbeit, mentale Bilder und die Sache mit der Einhandrute

Ob Fernarbeit, also der Versuch, aus einem anderen Zimmer heraus mit ihr in Kontakt zu treten, ganz ohne Sichtkontakt, bei einer Katze überhaupt sinnvoll ist, wird im Kurs ausführlich diskutiert, und ich habe dazu eigene Erfahrungen gesammelt, die an anderer Stelle mehr Platz bekommen. Das Senden von mentalen Bildern, zum Beispiel wie sie entspannt im Flur liegt, gehört in dieselbe Werkzeugkiste.

Die Einhandrute, mit der manche im Kurs testen, was ein Tier gerade braucht, habe ich bisher nur einmal in der Hand gehalten, und ob das bei mir irgendetwas bringt, kann ich noch nicht beurteilen. Die eigene Intuition zu trainieren, auch mit 70 Prozent Skepsis im Gepäck, ist ohnehin der Teil, an dem ich am längsten arbeite.

Notizbuch und Getränk auf dem Boden während der Katzenbeobachtung – Szene aus dem Tierkommunikations-Tagebuch in Leipzig

Wann ist es Tierarzt-Thema statt Tierkommunikations-Thema?

Meine Tierärztin hat mir bestätigt, dass die Katze körperlich kerngesund ist. Das war für mich die Voraussetzung dafür, mich überhaupt auf all das hier einzulassen. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Katze aus Schmerz oder Krankheit nicht rauskommt, gehört das zuerst zum Tierarzt und erst danach zu irgendeinem Tagebuch wie diesem.

Ein Stück der Verbesserung hängt bei uns außerdem schlicht mit der Wohnung zusammen. Ich habe zum Beispiel angefangen, die Wohnung so zu gestalten, wie meine Katze es sich wünscht, mit mehr erhöhten Rückzugsorten – das allein hat ihr wohl schon Mut gemacht, das Sofa öfter zu verlassen. Parallel dazu übe ich weiter, meine Angstkatze besser zu verstehen, ohne sie mit meinen eigenen Erwartungen zuzuschütten.

Falls du gerade selbst vor einem Sofa sitzt und wartest: Hör auf zu warten, ohne aufzugeben. Lies etwas, zeichne, schau aus dem Fenster, sei einfach da, ohne eine Reaktion zu erzwingen. Wir sind keine Profis, aber wir sind diejenigen, die einer Katze wie dieser überhaupt eine Chance geben, und das allein ist schon eine ganze Menge.

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