
Zweimal – so oft hat Mira heute langsam geblinzelt, nachdem ich ihren Namen gesagt habe, und ich habe es tatsächlich in mein Heft geschrieben, als wäre es ein Messwert. Zwei Blinzler sind im Tierschutz-Alltag mit einer Angstkatze keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass Mira die meiste Zeit unter dem Sofa verbringt und mich sonst höchstens als Schatten registriert. Als Grafikdesignerin aus Leipzig bin ich es gewohnt, Signale zu gestalten, keine zu entziffern, aber genau das versuche ich seit einer Weile mit Tierkommunikation-Übungen für zuhause: herauszufinden, was an meiner Angstkatze eigentlich zu verstehen ist, bevor ich irgendetwas von ihr erwarte.
Kurzer Hinweis vorab: In diesem Text stecken Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst gerade durcharbeite. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich bin keine Tierkommunikatorin, nur jemand, die seit einer Weile testet, was davon bei einer misstrauischen Straßenkatze überhaupt ankommt.
Ein Kurs, zwei völlig unterschiedliche Übungswege
Der Basiskurs, den ich gebucht habe, sortiert seine Übungen nie offen in Kategorien, aber wenn ich meine Notizen aus dem Tierkommunikation Basis Kurs nebeneinanderlege, zerfällt fast alles in zwei Lager. Auf der einen Seite steht das aktive Senden – ich soll Mira ein Bild schicken, eine Absicht, ein Gefühl. Auf der anderen Seite steht das reine Beobachten, ohne irgendetwas von ihr zu wollen. Beide Lager fühlen sich in der Praxis komplett unterschiedlich an, und genau das wurde für mich zur eigentlich spannenden Frage: Welches davon funktioniert bei einem Tier, das sich grundsätzlich vor jeder Erwartungshaltung verschließt?
Meine Freundin Philippa, die beruflich als UX-Designerin arbeitet und Dinge grundsätzlich erst mal skeptisch abklopft, fand die Einteilung sofort einleuchtend, als ich ihr davon erzählt habe. Sie war es ursprünglich, die mir Tierkommunikation halb im Scherz vorgeschlagen hatte, und selbst sie musste zugeben, dass die Unterscheidung zwischen Senden und Beobachten mehr Sinn ergibt als alles, was wir vorher mit Mira versucht hatten.
Warum die Sende-Übungen bei Mira nicht ankommen
Die Sende-Übungen aus dem Tierkommunikation Basis Kurs verlangen, dass ich mir ein mentales Bild vorstelle und es Richtung Sofa schicke, und an manchen Tagen merke ich nur, wie mein Kopf zur nächsten Kundenmail abdriftet. Eine ganze Einheit zur Distanzarbeit, bei der man das Tier aus einem anderen Raum oder sogar von unterwegs erreichen soll, habe ich bei Mira bisher komplett beiseitegelegt, weil schon die Version im selben Raum nicht zuverlässig funktioniert.
Bachblütenessenz von der Sorte Rescue haben wir Mira sogar eine Weile ins Trinkwasser gemischt, auf Empfehlung von jemandem aus dem Tierschutzverein.
Genützt hat es nichts.
Das nur, damit klar ist: Wir haben vorher wirklich alles andere durchprobiert, bevor die mentalen Übungen aus dem Kurs überhaupt zur Sprache kamen.
Erst als ich anfing, ihre Körpersprache der Katze unter dem Sofa wirklich genau zu lesen, wurde mir langsam klar, warum das Senden bei Mira so schlecht ankommt: Sie reagiert auf Körperspannung, nicht auf Absicht, und meine eigene Anspannung beim Senden-Wollen war vermutlich das lauteste Signal im Raum.

Stilles Sitzen: die einzige Übung, die im Alltag übrig bleibt
Stilles Sitzen ist dagegen die einzige Übung aus dem ganzen Kurs, die ich wirklich jeden Tag schaffe, verglichen mit allem anderen, was dort vorgeschlagen wird. Keine Vorstellungskraft, keine Bilder, kein Senden – nur da sein, auf dem Boden, ohne etwas zu wollen.
Das Sofa ist ein anthrazitfarbenes Tweed-Stück, das ich vor Jahren über Kleinanzeigen gekauft habe und das seitdem viel zu schwer ist, um es noch einmal zu verschieben. Direkt davor liegt ein dick gefülltes Wollkissen, das ich inzwischen dauerhaft dort liegen lasse, weil ich ohnehin fast jeden Morgen dort sitze. Wenn ich mich wirklich flach auf die Dielen lege, sehe ich im Streiflicht unter dem Sofabein feine Staubflocken, die von oben komplett unsichtbar sind – ein kleines Detail, das mir zeigt, wie viel man verpasst, wenn man nur im Vorbeigehen hinschaut.
Während ich dort liege, denke ich manchmal ganz bewusst darüber nach, was Mira in diesem Moment eigentlich wahrnimmt. Katzen haben etwa 200 Millionen Riechzellen, weit mehr als wir, und wahrscheinlich nimmt sie in diesen Minuten vor allem meine Socken und den alten Staub der Dielen wahr, nicht mich als Person mit guten Absichten.
Genau aus so einer Sitzung stammt übrigens der Blinzler vom Anfang dieses Textes: keine große Szene, kein Durchbruch, nur eine Pfote, die sich kurz bewegt hat, und zwei langsame Lidschläge, nachdem ich ihren Namen gesagt hatte. Wer sich mit der Bedeutung des Blinzelns beschäftigt hat, weiß, dass das eher ein Angebot ist als ein Zufall, auch wenn ich selbst bei Mira nie ganz sicher bin, ob ich mir das nicht einfach EINBILDE.
Dabei vergesse ich immer wieder, dass sie mich längst beobachtet, bevor ich überhaupt hinschaue. Katzen haben ein Sichtfeld von 200 Grad, und Mira registriert vermutlich jede meiner Bewegungen, auch wenn ich denke, sie würde gerade schlafen oder mich ignorieren.

Noa und ihr Hund zeigen, wie unterschiedlich Tiere antworten
Im Kursforum tauscht sich unter anderem eine Teilnehmerin namens Noa Winterstein aus, die statt einer Katze einen Hund hat, und ihre Berichte lesen sich fast euphorisch verglichen mit meinen. Wo ich über zwei Lidschläge schreibe, beschreibt sie ganze Absätze über Reaktionen, die sofort und unübersehbar sind.
Das hat mir klargemacht, dass ein Teil meines Problems vielleicht gar nicht an der Übung liegt, sondern an der Tierart. Ein Hund zeigt seine Reaktion meistens direkt nach außen, während eine misstrauische Straßenkatze wie Mira genau das Gegenteil trainiert hat, nämlich möglichst wenig zu zeigen.
Bei den kleinen Signalen, die bei einer Katze überhaupt zählen, frage ich mich andauernd, ob ich mir das nicht einfach EINBILDE, und genau dieser Zweifel war für mich Thema genug für einen eigenen Text: Ist das Einbildung oder echt? Noa hat diesen Zweifel praktisch nie, weil ihr Hund die Antwort ihr förmlich ins Gesicht springt.
Diese Anfangs-Unsicherheit, ob überhaupt irgendetwas passiert, kenne ich aus der ersten Kurswoche noch sehr genau, auch wenn ich das an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben habe.
Was beide Übungswege nicht ersetzen können
Bevor überhaupt irgendeine Übung ins Spiel kam, war Mira beim Tierarzt, und körperlich war bei ihr alles in Ordnung. Das ist für mich die Grundvoraussetzung, egal welchen der beiden Übungswege ich gerade probiere: Tierkommunikation ersetzt keinen Tierarztbesuch, sie kommt erst danach.
Falls beide Übungswege bei Mira irgendwann komplett ins Leere laufen, habe ich mir zur Sicherheit schon den Kurs Selbsthilfe mit der Einhandrute vorgemerkt, auch wenn mir das noch fremder vorkommt als jede mentale Übung. Für den Aufbaukurs fühle ich mich dagegen noch nicht bereit, weil ich im Basiskurs selbst noch damit beschäftigt bin, die beiden Übungswege überhaupt sauber zu unterscheiden.
Wie dramatisch Tierarztbesuche bei uns bis heute ablaufen, habe ich an anderer Stelle unter Stress beim Tierarzt beschrieben, und keine der beiden Übungen hat daran bisher irgendetwas verändert.

Für welche Angstkatze sich welche Übung eignet
Wenn dein Tier seine Reaktionen offen zeigt, so wie Noas Hund, würde ich mit den aktiven Sende-Übungen anfangen, weil du dort schneller ein Feedback bekommst, das dich motiviert, weiterzumachen. Versteckt sich dein Tier dagegen wie Mira und blockt jede Erwartungshaltung sofort ab, würde ich mit stillem Sitzen und dem genauen Lesen der Körpersprache beginnen und die Sende-Übungen für später aufheben, wenn überhaupt.
Falls du dich in einer der beiden Beschreibungen wiedererkennst und selbst überlegst, wo du anfangen sollst, schau dir den Tierkommunikation Basis Kurs ruhig einmal an. Er zwingt dich zu keiner der beiden Varianten, sondern zeigt dir ziemlich schnell, in welchem Lager dein eigenes Tier vermutlich steht.
Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Wahl der Übung mehr mit dem Tier zu tun hat als mit irgendeiner allgemeinen Anleitung. Still zu sitzen fühlt sich bei Mira inzwischen weniger nach Verzicht an als früher, einfach weil es die einzige Übung ist, bei der sie überhaupt mitmacht.