Kleine Zeichen

Traumata bei Tierschutzkatzen begleiten durch einfache mentale Übungen

Lange Zeit dachte ich, dass eine traumatisierte Tierschutzkatze vor allem sanfte Worte und viel Zuspruch braucht, um wieder Vertrauen zu fassen, bis meine rumänische Straßenkatze Mila mir etwas anderes zeigte. Als Grafikdesignerin in Leipzig arbeite ich normalerweise mit Rastern und Farbflächen, und trotzdem sitze ich seit ihrer Ankunft regelmäßig vor dem Sofa und probiere mentale Übungen aus der Tierkommunikation aus - als komplette Anfängerin, mit mehr Zweifeln als Überzeugung. Die Traumabewältigung bei einer Tierschutzkatze läuft offenbar anders, als die meisten Ratgeber es beschreiben.

Der Mythos vom guten Zureden bei Tierschutzkatzen

Mila kam aus Rumänien, vier Jahre alt, mit einer Vergangenheit, über die ich nur Vermutungen habe. Wochenlang hat sie sich unter dem Sofa versteckt, nachts gefressen und jeden Tierarztbesuch in ein kleines Drama verwandelt. Die Tierärztin fand organisch nichts, sprach nur von einer tief verunsicherten Katze. Also habe ich getan, was fast jeder in dieser Situation tut: ständig zu ihr hin, mit hoher, beruhigender Stimme auf sie eingeredet, 'ist doch alles gut'. Genau das hat ihre Unsicherheit eher verstärkt als gelöst.

Für eine traumatisierte Katze ist Rückzug offenbar der sicherste Heilraum, kein Zeichen von Ablehnung. Wer ständig versucht, sie da herauszuholen, stört genau diesen Prozess - so beschreibe ich es auch in Sicherheit für Straßenkatzen aus Rumänien durch feste Routinen im neuen Alltag, aber mentale Übungen gehen für mich noch einen Schritt weiter als reine Routine.

Meine Nachbarin Hedda Sarnow, zwei Stockwerke über mir und selbst mit einer rumänischen Straßenkatze zusammenlebend, hört sich das mit hochgezogenen Augenbrauen an. Für Esoterik hat sie nichts übrig, ganz und gar nicht, aber wenn ich ihr erzähle, dass weniger Reden mehr bewirkt, nickt sie trotzdem - das deckt sich mit ihrer eigenen Erfahrung, auch ganz ohne mentale Bilder.

Weniger tun, mehr erreichen

Der Kurs nennt das 'Nicht-Tun', und am Anfang klang das für mich wie eine Ausrede, gar nichts zu machen. Es ist aber das Gegenteil: Man setzt sich hin, ohne von der Katze irgendetwas zu wollen - kein Kommen, kein Schnurren, keine Reaktion.

Eine der ersten Übungen bestand darin, einfach still zu sitzen, genau da vor dem Sofa, ohne Erwartung, was schwerer war als jede Illustrationsdeadline, die ich je hatte. Am Anfang denkt man, bei Tierkommunikation geht es ums Reden oder Zuhören, dabei dreht sich fast alles um innere Bilder, die man ohne Worte festhält.

Ich saß so einmal da und dachte an den Flohmarkt am Plagwitzer Bahnhof an einem ruhigen frühen Morgen, bevor die ersten Stände aufgebaut sind - ein Ort, an dem ich mich einfach nur sicher fühle. Kein Wunsch, dass Mila kommt. Kein Locken. Nur dieses Bild, festgehalten, während draußen die Straßenbahn vorbeifuhr.

Und dann spürte ich plötzlich etwas Warmes gegen mein Bein drücken - Mila hatte sich, ohne dass ich es kommen hörte, direkt neben mich auf den Boden gesetzt.

Handgeschriebenes Tagebuch mit Beobachtungen zur Tierkommunikation für Anfänger neben einer Tasse Kaffee auf dem Teppich.

ICH WEISS BIS HEUTE NICHT, OB DAS BILD VOM FLOHMARKT SIE BERUHIGT HAT ODER OB ES EINFACH ZUFALL WAR. Wichtiger ist mir mittlerweile, dass das Ergebnis stimmte - eine Katze, die sich näherte statt sich zu verstecken. Wir unterschätzen wahrscheinlich, wie sehr die eigene innere Unruhe den Raum füllt. Wenn ich voller Mitleid vor dem Sofa sitze, kommt bei Mila offenbar etwas wie 'du Arme, es ist alles so schrecklich' an, und sie bleibt genau da, wo sie ist.

Wer selbst innerlich ruhiger wird, verändert etwas im Raum, auch wenn sich das schwer messen lässt - für einen Menschen mit einem ständigen Gedankenkarussell im Kopf ist das eine echte Übung. Ich musste erst lernen, wie ich Ruhe finde für Tierkommunikation, bevor ich überhaupt erwarten konnte, dass Mila mir vertraut.

Muss ich daran glauben, damit es wirkt?

Eine Leserin, Erzsébet Varga, hat mir nach meinem ersten Text hier geschrieben, mit einer langen Liste von Rückfragen, jede einzeln nummeriert. Unter einem der Punkte wollte sie wissen, ob meine Skepsis das Ergebnis verfälscht - eine faire Frage, auf die ich keine saubere Antwort habe.

Der Zweifel, ob ich mir das alles nur einbilde, gehört bei mir einfach dazu. Ob ein Bild wirklich von Mila kommt oder nur aus meiner eigenen Fantasie stammt, kann ich nicht sicher unterscheiden, und diese Unsicherheit verschwindet nicht einfach durch Übung. Das eigene Kopfkino von den tatsächlichen Signalen der Katze zu trennen, bleibt für mich die schwierigste Aufgabe an der ganzen Sache.

Vielleicht ist das wie bei einem Kollegen, der im Meeting selten etwas sagt: Man lernt irgendwann, an Haltung und Blickrichtung zu erkennen, ob er gleich doch noch etwas beitragen will, lange bevor er den Mund aufmacht. Bei Mila ist es ähnlich - nur dass ich keine Ahnung habe, ob ich das wirklich lese oder mir nur etwas zusammenreime, das zufällig stimmt.

Ängstliche Tierschutzkatze schaut vorsichtig unter einem Möbelstück hervor, ein typisches Zeichen unbewältigter Traumata.

Kleine Zeichen einer ängstlichen Katze richtig lesen

Der zweite Mythos, der bei mir lange hielt: Erfolg zeigt sich in einem großen, eindeutigen Moment. Kein filmreifer Wendepunkt, sondern eher ein Ohr, das sich für eine Sekunde in meine Richtung dreht, ein Schwanz, der nicht mehr flach am Boden liegt, ein Gähnen zur falschen Zeit.

Manche in der Kursgruppe schwören auf Übungen komplett aus der Distanz, ganz ohne die Katze im selben Raum zu haben - das habe ich mit Mila noch nicht ausprobiert, weil mir die Nähe zu ihr wichtiger ist als die Technik. Andere greifen zu einer Einhandrute, um angeblich Bedürfnisse abzufragen; für mich bleibt das ein Schritt zu weit, schon allein, weil ich nicht wüsste, was ich mit dem Ergebnis anfangen sollte.

Manchmal blockiert mein eigener Kopf jedes Bild komplett, gerade dann, wenn ich am meisten will, dass es funktioniert. Dann hilft kein zusätzlicher Druck, sondern nur eine Pause - so, wie man am Schreibtisch auch nicht kreativer wird, indem man eine Illustration anstarrt, bis das nächste Motiv kommt.

Bilder bekomme ich dabei sowieso selten. Öfter ist es nur ein diffuses Gefühl von Enge oder Erleichterung, ohne irgendetwas, das man als Szene beschreiben könnte, und ich habe aufgehört, das als Versagen zu werten.

Nahaufnahme eines aufmerksamen Katzenohrs als kleines Signal in der Traumabewältigung einer Tierschutzkatze.

Was bei Mila bislang nicht funktioniert hat

Eine Online-Tierärztin hatte mir geraten, Mila jeden Tag zehn Minuten lang komplett zu ignorieren, damit von selbst Neugier entsteht. Ich habe es konsequent durchgezogen. Verändert hat sich dadurch nichts, außer dass ich mich am Ende jedes Mal ein bisschen schlechter fühlte.

Vertrauen entsteht bei ihr offenbar nicht durch eine einzelne Methode, sondern eher dadurch, dass ich aufhöre, etwas von ihr zu erwarten - egal ob beim Zureden, beim Ignorieren oder bei den mentalen Übungen selbst. Intuition zu trainieren fühlt sich für mich dabei an wie eine neue Software zu lernen: Man drückt nicht einfach auf Senden, und schon klappt alles.

Vertrauen entsteht nicht durch Nähe allein

Skeptikerin bin ich weiterhin, und wenn Mila morgen wieder einen Rückfall hat und beim nächsten Tierarztbesuch alles eskaliert, wird dieser Zweifel sofort wieder da sein. Mein Tagebuch zeigt trotzdem ein Muster: An den Tagen, an denen ich mir bewusst Zeit für diese Übungen nehme, ist Mila mutiger, nicht dramatisch anders, aber spürbar.

Wer eine traumatisierte Tierschutzkatze begleiten will, sollte sich also weniger fragen, was er sagen oder tun kann, sondern eher, wie er selbst innerlich ruhiger wird - das scheint die Katze zuerst wahrzunehmen, noch bevor irgendein Wort fällt oder eine Übung überhaupt beginnt.

Grafikdesignerin in Leipzig arbeitet konzentriert am Schreibtisch, während die Tierschutzkatze im Hintergrund entspannt liegt.

Das alles ersetzt keinen Tierarztbesuch. Verweigert sie das Futter oder wirkt sie lethargisch, ist die Tierarztpraxis in meiner Nähe die erste Anlaufstelle, mentale Übungen kommen danach, nicht stattdessen.

Für alle mit einer ähnlich 'unsichtbaren' Katze zu Hause: Setzt euch einfach hin, atmet, und lasst das Bild von einem sicheren Ort ohne Erwartung im Raum stehen. Vielleicht passiert nichts. Vielleicht dreht sich nach einer Weile ein Ohr in eure Richtung, und ihr merkt, dass da gerade wirklich etwas passiert ist.

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