Kleine Zeichen

Katze nachts füttern oder nicht? Wie wir den Rhythmus langsam ändern

Ich schiebe den Napf ein Stück näher ans Fenster, wo morgens als Erstes Licht hinfällt, und ziehe die Hand sofort wieder zurück, weil sich unter dem Sofa etwas bewegt. Mira, meine Katze aus Rumänien, reagiert auf jede Veränderung am Napf, als hätte ich gerade einen Alarm ausgelöst. Seit sechs Monaten lebt sie bei mir hier in Leipzig, frisst aber fast ausschließlich nachts, und genau an diesem Rhythmus schraube ich seit Wochen vorsichtig herum – meine ganz eigene, kleine Tierkommunikations-Erfahrung, die sich manchmal eher wie stiller Tierschutz-Alltag anfühlt als wie irgendetwas Magisches. Wer selbst eine Angstkatze hat, kennt wahrscheinlich dieses Gefühl, ein Möbelstück zu füttern, das man kaum je zu Gesicht bekommt.

Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links zu einem Online-Kurs, den ich selbst gerade durcharbeite. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich für dich am Preis etwas ändert. Ich schreibe hier ausschließlich über das, was ich mit Mira tatsächlich ausprobiert habe – mit allen Zweifeln, die dazugehören. Hier ist meine vollständige Offenlegung.

Warum eine Angstkatze den Tag zur Nacht macht

Mira ist ein Paradebeispiel dafür. Die Tierärztin hat sie mehrfach durchgecheckt und findet nichts Krankhaftes – körperlich ist bei ihr alles in Ordnung. Trotzdem beginnt ihr eigentliches Leben erst, wenn die Wohnung zur Ruhe kommt und ich im Bett liege.

Katzen sind ohnehin von Natur aus dämmerungsaktiv, aber bei einer ehemaligen Straßenkatze kommt oft noch etwas dazu: Die Nacht war für sie schlicht sicherer als der Tag, ohne Autos, ohne fremde Hände. Es gibt außerdem Katzen, bei denen nächtliches Futter aus gesundheitlichen Gründen gar nicht zur Debatte steht und niemals einfach umgestellt werden sollte – wer unsicher ist, sollte das immer zuerst mit der eigenen Tierärztin klären, bevor er am Rhythmus seines Tieres etwas ändert.

Leerer Katzennapf nachts auf kalten Küchenfliesen – Tierschutz-Alltag mit einer scheuen Straßenkatze

Vertrauen langsam aufbauen, ohne zu drängen

Bindung entsteht bei einer Katze wie Mira nicht dadurch, dass man Nähe erzwingt, sondern eher durchs Gegenteil. Vertrauen aufbauen zur Tierschutzkatze bedeutet in der Praxis vor allem: dasitzen, nichts wollen, nicht mal direkt hinschauen. Im Kurs nennt man das schlicht ruhig vor dem Sofa sitzen, ohne sie anzustarren – die Katze soll selbst entscheiden dürfen, wann sie sich zeigt.

Daneben übe ich, ihr mental ein Bild zu schicken: den vollen Napf im Tageslicht, ruhig und ohne Eile. Ob das wirklich bei ihr ankommt oder nur bei mir selbst beruhigend wirkt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Gleichzeitig achte ich inzwischen genauer auf ihre Körpersprache – wie die Ohren stehen, wie kurz sie blinzelt, bevor sie sich zurückzieht. Ob das echte kleine Zeichen sind oder reines Wunschdenken von mir, kann ich oft selbst nicht auseinanderhalten, und genau diese Unsicherheit gehört wohl dazu, wenn man gerade erst anfängt.

Der Kurs, der Napf und die ersten zehn Minuten

Vor rund zwei Monaten habe ich mich für den Tierkommunikation Basis Kurs [Mein aktueller Kurs] angemeldet, nachdem eine Freundin es halb im Scherz vorgeschlagen hatte. Die Übungen dauern nur wenige Minuten und passen in meinen Morgen, bevor das erste Meeting anfängt – wenn mich in dem Moment jemand aus dem Job im Schneidersitz vor dem Sofa sehen würde, wäre mein Ruf als nüchterne Designerin sofort dahin. In den ersten Kurswochen ist bei mir allerdings tagelang so gut wie nichts passiert, und dieser Anfänger-Zweifel gehört anscheinend einfach zum Start dazu.

Praktisch heißt das: Ich stelle den Napf abends ein kleines Stück früher hin und räume ihn morgens ein kleines Stück später ab, jeden Tag ungefähr zehn Minuten mehr Richtung Tageslicht. Es gibt im Kurs auch Übungen für sogenannte Distanzarbeit, bei denen man von der Arbeit aus, ganz ohne Sichtkontakt, an die Katze denkt – das habe ich bisher nur zweimal probiert und mich dabei ziemlich albern gefühlt. Wie soll das funktionieren, dachte ich die ganze Zeit.

Handschriftliches Tagebuch über eine Tierkommunikations-Erfahrung mit einer ängstlichen Katze

Ein Online-Rat hat bei Mira nicht funktioniert

Eine Online-Tierärztin empfahl in einem Ratgeber-Artikel, Mira zehn Minuten am Tag konsequent zu ignorieren, damit sie lernt, dass Aufmerksamkeit nicht ans Verstecken gekoppelt ist. Eine knappe Woche habe ich das durchgezogen – kein Blickkontakt, keine Ansprache, einfach mein eigenes Ding gemacht, während sie unter dem Sofa saß. Verändert hat sich vor allem eins: Sie kam noch seltener hervor, und ich habe mich am Ende schlechter gefühlt als vorher.

Seitdem versuche ich es lieber mit dem Gegenteil: Präsenz zeigen, ohne etwas zu verlangen. Tierkommunikation Übungen für zuhause funktionieren bei mir am ehesten, wenn ich selbst ruhig bin – nicht wenn mein Kopf eigentlich woanders ist. Der schwierigste Teil dabei ist zu erkennen, ob ein Bild in meinem Kopf wirklich von ihr kommt oder nur meine eigene Alltagsplanung ist, die sich gerade einmischt.

Manchmal blockiere ich mich dabei auch einfach selbst, wenn ich zu sehr auf ein bestimmtes Ergebnis hoffe – dann kommt gar kein Bild, nur Stille und ein leicht dummes Gefühl, allein vor einem Sofa zu sitzen.

Zum ersten Mal kein Geschrei beim Tierarzt

Der Pflichttermin bei der Tierärztin in der zwölften Kurswoche lief anders als sonst. Normalerweise kratzt und schreit Mira, sobald die Praxistür aufgeht, aber diesmal hat sie sich einfach nur klein zusammengerollt, ganz still, während die Tierärztin sie kurz abgetastet hat. Kein Fauchen, keine ausgefahrenen Krallen – nur dieses stille Zusammenrollen, das ich bei ihr vorher noch nie gesehen hatte. Ich weiß bis heute nicht, was genau da passiert ist.

Ob das am Kurs lag, am Alter oder einfach am Zufall, weiß ich nicht – aber es hat sich anders angefühlt als alles, was ich vorher bei ihr erlebt habe. Meine Nachbarin Hedda, die zwei Stockwerke über mir wohnt und selbst eine rumänische Straßenkatze hat, erinnert mich bei jeder Begegnung im Treppenhaus daran, dass Geduld der einzige Hebel ist, der hier wirklich zieht. Sie hat recht, auch wenn ich das an manchen Tagen nur schwer hören kann.

Katzenpfote und Nase schauen vorsichtig unter dem Sofa hervor – kleines Vertrauenszeichen einer Angstkatze

Geduld ist der einzige Hebel, der wirklich zieht

Kürzlich hat mir eine Leserin namens Erzsébet geschrieben, die zur gleichen Zeit wie ich eine Straßenkatze aus Serbien bei sich aufgenommen hat. Sie zweifelt nach eigener Aussage noch stärker als ich, bleibt aber jeden Morgen dran – und genau das hat mir gezeigt, dass ich mit meinem ganzen Zögern nicht allein bin.

Wir sitzen noch lange nicht gemeinsam am Frühstückstisch, aber der Rhythmus verschiebt sich Stück für Stück. Mira frisst inzwischen oft schon kurz nach der Dämmerung, während ich noch im Wohnzimmer lese, statt erst mitten in der Nacht. Basiskurs war für mich ein brauchbarer Einstieg, wenn man wie ich vorher wirklich null Ahnung von der Materie hatte, und falls dir eher handfeste Werkzeuge liegen, gibt es mit der Selbsthilfe mit der Einhandrute für Tiere noch einen anderen Weg – bei mir liegt sie bislang ungenutzt in der Schublade, weil mir die Arbeit mit dem Pendel selbst nach Monaten noch fremd vorkommt.

Das schwere, dunkelgraue Sofa, das ich beim Einzug für viel zu sperrig hielt, ist seitdem keinen Zentimeter von der Stelle gekommen – und wenn ich vorsichtig mit der Hand unter die Kante taste, spüre ich nur das grobe, leicht kratzige Gewebe der Unterseite, während Mira längst zwei Handbreit weiter hinten sitzt.

Wenn ich aus diesen zwölf Wochen eine einzige Sache mitnehme, dann die: Der Rhythmus einer Angstkatze lässt sich nicht erzwingen, nur langsam verschieben, und dafür braucht es vor allem Zeit, die man ihr ohne Erwartung schenkt. Was denkt meine Katze unter dem Sofa? Wahrscheinlich denkt sie gerade: Endlich ist die Frau mit dem ganzen Grafik-Stress mal kurz ruhig.

Falls du selbst eine Katze hast, die nur nachts richtig lebendig wird, oder schon eigene Versuche mit Tierkommunikation gemacht hast, schreib mir gern, wie es bei euch läuft. Hier in Leipzig fühle ich mich mit meinen leisen Sofa-Gesprächen manchmal noch ziemlich allein.

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