Kleine Zeichen

Tierkommunikation mit der Katze auf Distanz: Meine Versuche während der Arbeit

Ich sitze an meinem Schreibtisch im Leipziger Grafikviertel, der Kaffee ist kalt geworden und auf meinem zweiten Monitor blinkt eine dringende Korrekturschleife für ein Logo-Design. Eigentlich sollte ich mich auf Typografie konzentrieren, aber meine Gedanken wandern immer wieder drei Kilometer weiter südlich in meine Wohnung — genauer gesagt unter mein graues IKEA-Sofa.

Dort sitzt sie. Seit sechs Monaten. Meine vierjährige Katze aus Rumänien, die laut ihrem EU-Heimtierausweis eigentlich ein ganz normales Tier sein sollte, sich aber benimmt, als wäre ich eine Bedrohung für die nationale Sicherheit. Ich mache jetzt seit acht Wochen diesen Basiskurs für Tierkommunikation und fühle mich dabei immer noch zu mindestens 70 Prozent wie eine komplette Spinnerin. Aber hey, wenn man ein halbes Jahr lang nur leere Futternäpfe am Morgen sieht und sonst nichts, greift man nach jedem Strohhalm.

Der Moment zwischen zwei Deadlines

Das kalte Gefühl des Metallschreibtischs an meinen Unterarmen erinnert mich daran, dass ich eigentlich arbeiten sollte. Aber im Kurs hieß es, man könne Tierkommunikation auch auf Distanz üben. Also schließe ich für einen Moment die Augen. Ich versuche, das Wohnzimmer-Sofa vor meinem inneren Auge zu sehen — den Geruch von dem Feliway-Stecker in der Steckdose, das gedimmte Licht im Flur.

Grafikdesignerin am Schreibtisch im Leipziger Büro macht eine kurze Pause mit geschlossenen Augen.

Der Gedanke, dass ich meine Designer-Kollegen belüge, wenn ich sage, ich mache 'kurz Pause', während ich eigentlich versuche, Telepathie zu üben, lässt mich kurz schmunzeln. WAS MACHE ICH HIER EIGENTLICH? Ich bin Grafikdesignerin, ich glaube an Raster und Farbräume, nicht an unsichtbare Funkwellen zwischen Gehirnen. Und trotzdem sitze ich hier und versuche, meiner Katze ein Bild zu schicken. Ein Bild von einem Sonnenstrahl auf dem Teppich, direkt vor dem Sofa.

Ich habe in den letzten zwei Monaten gelernt, dass es nicht um große Worte geht. Es geht um Gefühle. Ich schicke ihr das Gefühl von Sicherheit. Dass niemand sie zwingt, rauszukommen. Dass sie dort, wo sie ist, okay ist.

Warum Distanz manchmal einfacher ist

Interessanterweise klappt das im Büro fast besser als zu Hause. Wenn ich abends vor dem Sofa hocke, bin ich oft so verkrampft. Ich will UNBEDINGT, dass sie sich zeigt. Diese Erwartungshaltung ist wie eine Wand. Im Büro hingegen, zwischen dem Summen der Rechner und dem Geplapper der Kollegen, ist mein Fokus anders. Ich habe gar keine Zeit, mich in meine Erwartungen hineinzusteigern.

Die Kursleiterin meinte mal, dass intuitives Wahrnehmen keine räumlichen Grenzen kennt. Klingt nach Science-Fiction, oder? Aber wenn ich ehrlich bin, fühlt es sich in diesem Moment am Schreibtisch echter an als die tausendste 'Komm doch mal raus'-Bestechung mit Leberwurst zu Hause. Ich habe neulich schon mal darüber geschrieben, wie sich diese Tierkommunikation zwischen Einbildung und Realität für mich anfühlt.

Die Theorie vom Stress-Fokus

Hier kommt der Punkt, der mich im Basiskurs am meisten überrascht hat. Oft heißt es, man müsse total entspannt sein, meditieren, Kerzen anzünden — das ganze Programm. Aber meine Erfahrung in den letzten Wochen war eine andere: Die ständige Fokussierung auf entspannte Meditation während der Arbeit blockiert die intuitive Verbindung manchmal sogar. Warum? Weil ich es dann ZU SEHR will.

Echte Impulse kamen bei mir oft in den Momenten, in denen ich einen abrupten Fokuswechsel hatte. Gerade noch im Stress wegen einer Deadline, dann kurz innehalten, an die Katze denken — ZACK. Da ist ein Bild im Kopf. Ein kurzes Aufblitzen. Ich glaube, die Katze reagiert eher auf diesen ehrlichen, schnellen Moment als auf eine künstlich herbeigeführte Zen-Stimmung.

Detailaufnahme von Händen am Schreibtisch während einer kurzen Konzentrationsübung für Tierkommunikation.

Straßenkatzen aus dem Tierschutz zeigen oft ein extrem ausgeprägtes Vermeidungsverhalten gegenüber direktem Blickkontakt. Das kenne ich zur Genüge. Wenn ich zu Hause bin, spürt sie meinen Blick, auch wenn ich nur so tue, als würde ich lesen. Aber auf Distanz? Da gibt es keinen Blickkontakt, der sie bedrohen könnte. Es ist eine Kommunikation ohne die körperliche Komponente, die ihr solche Angst macht.

Ein typischer Arbeitstag-Versuch

An einem regnerischen Nachmittag im Mai habe ich es besonders intensiv probiert. Ich hatte eine verlängerte Mittagspause und anstatt zum Bäcker zu gehen, bin ich einfach sitzen geblieben. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie sie unter dem Sofa liegt. Durchschnittlich schläft eine erwachsene Katze ja so 12 bis 16 Stunden am Tag — wahrscheinlich hat sie also gerade gedöst.

Ich habe ihr das Bild von meiner Hand geschickt, die ganz flach auf dem Boden liegt. Nicht zum Greifen, nicht zum Streicheln. Einfach nur da. Ich habe dabei an das Wort 'Frieden' gedacht. Nicht als Vokabel, sondern als Gefühl im Bauch. Das Ganze hat vielleicht zwei Minuten gedauert. Dann kam eine Kollegin rein und fragte nach einer InDesign-Datei. Der Moment war weg. VERPUFFT. Ich dachte mir: 'Schön, wieder zwei Minuten Lebenszeit mit Tagträumen verschwendet.'

Heimkehr und die Suche nach Zeichen

Als ich am Abend nach Hause kam, war alles wie immer. Dachte ich. Die Wohnung war still, der Napf vom Morgen unberührt (sie frisst ja nur nachts). Ich zog meine Schuhe aus und setzte mich mit einer Tasse Tee auf den Teppich, etwa zwei Meter vom Sofa entfernt. Ich mache keine Heilversprechen oder so — ich bin ja selbst noch voll in der Testphase. Aber da war etwas anders.

Normalerweise sehe ich nur zwei leuchtende Augen ganz weit hinten in der dunklen Ecke unter dem Stoff. Diesmal lag sie weiter vorne. Ihr Kopf war nicht angespannt auf den Pfoten abgelegt, sondern sie war leicht zur Seite gekippt. Eine winzige Veränderung in der Körperhaltung, die exakt zu dem Bild von Entspannung passte, das ich ihr mittags geschickt hatte. Ein Zufall? Wahrscheinlich. Vielleicht war es auch einfach nur das Wetter. Oder sie hatte einen besonders tiefen Schlaf während ihrer Schlafphase.

Aber es war das erste Mal seit sechs Monaten, dass sie nicht sofort tiefer in die Ecke gerutscht ist, als sie den Schlüssel im Schloss gehört hat. Ich saß da und hatte Tränen in den Augen, was mir vor mir selbst total peinlich war. Ich bin keine Esoterikerin, ich bin eine verdammte Grafikdesignerin, die ihre Steuererklärung macht und an Fakten glaubt! Und trotzdem... dieses kleine Zeichen war da.

Blick unter ein Sofa in einer dunklen Wohnung, wo die Augen einer versteckten Katze leuchten.

Was ich bisher gelernt habe (und was nicht funktioniert)

Ich bin jetzt seit acht Wochen dabei und führe jeden Tag mein Tagebuch. Es gibt Tage, da passiert ABSOLUT GAR NICHTS. Da schicke ich Bilder von Wiesen und Leckerlis und wenn ich heimkomme, hat sie vor Angst in den Flur gepinkelt. Man darf sich da nichts vormachen: Tierkommunikation ist kein Zauberstab, der ein Trauma von Jahren in Rumänien einfach wegwischt.

Was bei mir zum Beispiel überhaupt nicht funktioniert hat, war die Übung aus Lektion 2: 'Frage das Tier nach seinem Lieblingstier'. Ich habe eine halbe Stunde lang versucht, eine Antwort zu bekommen. Das Einzige, was ich empfangen habe, war Hunger auf Pizza (was wahrscheinlich mein eigener Magen war). Man muss lernen, seine eigenen Bedürfnisse von den Impulsen des Tieres zu trennen. Das ist verdammt schwer.

Hier sind ein paar Dinge, die ich für mich als 'Anfänger-Tipps' aus der Distanz-Arbeit mitgenommen habe:

Ich merke immer mehr, wie wichtig es ist, die Körpersprache der Katze unter dem Sofa genau zu studieren, um die mentalen Bilder überhaupt abgleichen zu können. Ohne dieses Wissen würde ich wahrscheinlich jeden Pups als 'Botschaft' interpretieren.

Zwischen Skepsis und Hoffnung

Ich weiß immer noch nicht, ob ich das alles hier in einem Jahr noch mache. Vielleicht lache ich dann über mich selbst. Aber im Moment hilft es mir. Es hilft mir, die Geduld nicht zu verlieren. Wenn man eine Angstkatze hat, fühlt man sich oft so hilflos. Man will helfen, aber man darf nicht nah ran. Die Tierkommunikation gibt mir das Gefühl, aktiv etwas zu tun, ohne das Tier zu bedrängen.

Gestern im Büro habe ich es wieder versucht. Ich habe ihr ein Bild von uns beiden geschickt, wie wir gemeinsam im Garten sitzen (den ich gar nicht habe, aber in meinem Kopf war er wunderschön). Als ich nach Hause kam, saß sie zwar immer noch unter dem Sofa, aber sie hat zum ersten Mal kurz geblinzelt, als ich 'Hallo' gesagt habe. Ein langsames Blinzeln. Wer Katzen kennt, weiß: Das ist wie ein Lächeln.

Ob das nun an meinem Bild aus dem Büro lag oder daran, dass sie sich nach sechs Monaten einfach an meine Stimme gewöhnt hat? Wer weiß das schon. Ich schreibe es jedenfalls in mein Tagebuch. Und morgen am Schreibtisch, zwischen Logo-Entwürfen und E-Mails, werde ich wieder kurz die Augen schließen und an den Raum unter dem Sofa denken. Einfach nur, um ihr zu sagen: Ich bin da. Und du darfst dir alle Zeit der Welt lassen.

Falls du auch gerade erst anfängst und dich fragst, ob du komplett verrückt wirst: Du bist nicht allein. Es ist ein Prozess. Und solange es der Katze nicht schadet und dir ein besseres Gefühl gibt, ist es völlig egal, was die 70 Prozent Skepsis in deinem Kopf sagen. Manchmal sind die Dinge, die wir nicht messen können, genau die, die am Ende den Unterschied machen. Wenn du wissen willst, wie meine Reise angefangen hat, lies doch mal meinen Bericht über meine Erfahrungen mit dem Senden von Bildern im Basiskurs.

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