Kleine Zeichen

Eine unsichtbare Katze verstehen lernen: Kommunikation ohne Blickkontakt

Manche Katzenhalterinnen schwören auf den Blick in die Augen ihres Tieres. Bei Mira bewirkt genau das oft das Gegenteil: Sie verschwindet unter dem Sofa. Meine Angstkatze aus Rumänien lebt seit ihrer Ankunft in meiner Leipziger Wohnung fast unsichtbar, und trotzdem sage ich mittlerweile, dass wir kommunizieren. Klingt das absurd? Ich fand es anfangs auch absurd. Als Anfängerin in der Tierkommunikation mit einem Tier, das mir kaum je in die Augen sieht, musste ich zuerst lernen, dass Kontakt nicht über den Blick laufen muss — diese Art von Katzenliebe funktioniert anders.

Bevor es weitergeht, kurz zur Transparenz: Dieser Text enthält Affiliate-Links, und wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe nur über das, was ich vor unserem Sofa wirklich ausprobiert habe. Meine vollständige Offenlegung findest du hier, falls dich die Details interessieren.

Muss eine Katze mir in die Augen sehen, damit Tierkommunikation funktioniert?

Nein — und genau das war für mich als Grafikdesignerin zunächst schwer zu akzeptieren. Ich lebe beruflich vom Visuellen, ich analysiere Formen und Bewegungen den ganzen Tag. Aber bei einer Katze, die sich in der hintersten Ecke unter dem Polster verkeilt, gibt es optisch nichts zu analysieren. Die üblichen Ratschläge wie langsam blinzeln oder die Körpersprache lesen, greifen einfach nicht, wenn das Tier gar nicht sichtbar ist. Genau da beginnt Tierkommunikation für mich: als Werkzeug für den Moment, in dem die Augen nichts mehr hergeben.

Der Tierarzt hatte schon früh gesagt, dass mit Mira körperlich alles in Ordnung ist, sie aber vermutlich in einer Art Deprivationssyndrom feststeckt. Wir haben einiges probiert, was auf dem Papier helfen sollte. Ein Feliway-Diffusor, gleich an drei verschiedenen Stellen in der Wohnung aufgestellt, änderte rein gar nichts — sie mied die Steckdosen-Ecken genauso wie den Rest der Wohnung. Ich war zu etwa 70 Prozent skeptisch, als eine Freundin halb im Scherz Tierkommunikation vorschlug.

Trotzdem habe ich mich für einen Tierkommunikation Basis Kurs angemeldet, allein, ohne es groß anzukündigen. WARUM TUE ICH DAS EIGENTLICH, dachte ich beim Anmelden mehr als einmal. Nicht weil ich plötzlich an Energiefelder glaube, sondern weil ich nach Monaten des Versteckspiels bereit war, fast alles zu probieren, was nicht schadet.

Weiße Pfote einer Angstkatze aus Rumänien schaut vorsichtig unter dem Sofa hervor, erstes Zeichen von Vertrauen ohne Blickkontakt

Vertrauen aufbauen, ohne die Katze zu bedrängen

Am meisten übe ich auf dem Boden, nicht auf dem Sofa selbst. Unser Sofa ist ein schwerer, anthrazitfarbener Tweed-Fund aus Kleinanzeigen, der sich seit dem Einzug kein einziges Mal verrücken ließ, und direkt davor liegt inzwischen dauerhaft ein dickes Wollkissen. Dort setze ich mich einfach nur still hin. Äußerlich passiert dabei nicht mehr. Wie man sich als Halterin einer kontaktscheuen Katze richtig vor das Sofa setzt, ist eigentlich ein eigenes Thema für sich; hier reicht der Hinweis, dass Stillsitzen allein schon die halbe Übung ist.

Meine Freundin Philippa, die ich noch aus dem Grafikdesign-Studium kenne, hat die Idee mit der Tierkommunikation zuerst hingeworfen, nämlich zwischen zwei Ständen auf dem Flohmarkt am Plagwitzer Bahnhof, halb im Scherz, weil ich ihr mal wieder von Mira und dem Sofa erzählt hatte. Philippa ist eigentlich die pragmatischste Person, die ich kenne, aber selbst sie meinte irgendwann, wenn die rationalen Erklärungen ausgehen, könne man auch mal etwas Irrationales versuchen.

Was im Kurs als 'mentale Bilder senden' bezeichnet wird, bedeutet in der Praxis genau das: kein Wort denken, nur ein Gefühl oder ein Bild schicken und abwarten, ob etwas zurückkommt, ein bisschen wie bei einer Kollegin, die wenig redet, deren Stimmung man im Büro aber trotzdem irgendwann lesen lernt.

An einem Abend saß ich einfach auf dem Wollkissen vor dem Sofa und schickte, ohne groß etwas zu erwarten, das Bild einer ruhigen, warmen Wiese. Auf einmal spürte ich etwas Warmes an meiner Wade — Mira hatte sich, lautlos wie immer, direkt neben mein Bein gesetzt. Ich habe mich kaum getraut, mich zu bewegen. Ihr Atem war kaum zu hören, aber ihr Brustkorb hob und senkte sich in einem ganz gleichmäßigen Rhythmus, während ich reglos sitzen blieb. War das Tierkommunikation? Ich weiß es nicht. Aber es war das erste Mal seit ihrer Ankunft, dass sie sich aus freien Stücken neben mich gesetzt hat.

Das ist wahrscheinlich das Einzige, was ich Menschen mit einer ähnlich verschreckten Katze raten würde: Es geht weniger um Technik als darum, echtes Vertrauen zur Tierschutzkatze aufbauen zu können — der Rest ergibt sich, wenn überhaupt, von selbst.

Notizbuch mit Tagebucheinträgen zur Tierkommunikation für Anfängerinnen, handgeschrieben in einer Leipziger Wohnung

Eigene Fantasie oder echtes Bild — meine größte Unsicherheit im Kurs

Diese Frage begleitet mich durch den ganzen Basis Kurs hindurch. Ist das, was da als Bild auftaucht, mein eigener Wunschgedanke, oder kommt wirklich etwas von Mira? Es gibt dazu einen ganz brauchbaren Unterschied zwischen echten Bildern und eigenen Gedanken, den ich mir gemerkt habe: Echte Impulse fühlen sich oft fremd an, sie platzen einfach rein, ohne dass ich sie mühsam konstruiere. Ein Kriterium, mehr aber auch nicht.

Manchmal blockiert mein eigener Kopf aber auch einfach alles, was da ankommen könnte, und dann kommt schlicht nichts — dafür gibt es im Kurs eigene Übungen, die ich hier nicht alle durchkaue.

Wichtig ist mir dabei: Ich bin keine Tierärztin und keine Verhaltenstherapeutin. Wenn Mira krank wirkt, ist die Praxis mein erster Weg, nicht die Meditation vor dem Sofa. Tierkommunikation ist für mich höchstens eine Ergänzung fürs eigene Verständnis, kein Ersatz für irgendetwas Medizinisches.

Was bei uns komplett danebenging

Nicht jede Methode aus dem Kurs passt zu mir — die Arbeit mit der Einhandrute liegt bei mir zum Beispiel komplett brach. Ich habe mir zwar das Set Selbsthilfe mit der Einhandrute für Tiere besorgt, weil ich dachte, das wäre vielleicht der praktischere Zugang für meinen eher analytischen Kopf. Es liegt seitdem so gut wie unberührt auf meinem Schreibtisch, genau wie der Feliway-Diffusor vorher nie wirklich angeschlagen hat.

Diese Unsicherheit, ob man dafür überhaupt geeignet ist, wenn tagelang gar nichts ankommt, kenne ich gut — im Kursforum ist das eines der häufigsten Themen überhaupt. Noa, eine andere Teilnehmerin aus meinem Kurs, mit der ich mich in genau so einem Thread über die ersten ergebnislosen Tage gefunden habe, sieht das komplett anders als ich: Sie ist bei ihrem Hund fast euphorisch begeistert von jedem kleinen Zeichen, während ich bei Mira nach wie vor eher grübele als jubele.

Zählt ein Blinzeln schon als Antwort?

Vielleicht, aber ich würde mich nicht allein darauf verlassen. Bei mir ist der Unterschied zwischen Einbildung und Realität gerade bei so kleinen Gesten oft schwer zu ziehen. Mein Kriterium mittlerweile: Ein einzelnes Zeichen zählt bei mir nie, ein wiederkehrendes Muster über mehrere Begegnungen hinweg schon eher.

Ob das Ganze auch funktioniert, wenn Mira gar nicht im selben Raum ist, sogenannte Distanzarbeit also, ist für mich noch offen. Das würde den Rahmen hier sprengen.

Junge Frau übt Intuition und stille Konzentration für Tierkommunikation in ihrer Leipziger Wohnung

Der Basiskurs als Startpunkt — und was danach kommt

Falls du auch so eine kaum sichtbare Katze zuhause hast und dich fragst, ob da mehr ist als nur Schatten unter dem Sofa: Der Tierkommunikation Basis Kurs ist zumindest ein ordentlicher Startpunkt, um überhaupt ein Gefühl für diese Art von Verbindung zu entwickeln. Es muss dabei nicht sofort alles funktionieren. Manchmal reicht es schon, wenn eine Pfote ein paar Zentimeter weiter aus dem Dunkeln herausragt als beim letzten Mal.

Und vielleicht sehe ich mich irgendwann selbst im Aufbaukurs wieder, sobald meine Skepsis noch ein Stück weiter runtergehandelt ist. Bis dahin sitze ich weiter auf meinem Wollkissen und übe, zuzuhören, ohne hinzusehen.

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