Kleine Zeichen

Angstkatze beruhigen Tipps: Mentale Vorbereitung auf den nächsten Tierarztbesuch

Meine Katze ist bis vor das Sofa gekommen und hat kurz an meiner Socke geschnuppert.

Mehr nicht.

Ich war davor in Socken ganz langsam Richtung Sofa gerobbt, jede Diele hat unter mir geknarrt, aber sie ist geblieben, statt sofort wieder zu verschwinden. Für eine Angstkatze aus dem rumänischen Tierschutz, die seit sechs Monaten fast nur unter diesem Sofa bei mir in Leipzig lebt, war das für mich ein kleines Wunder.

Der Rat, den man zu Angstkatzen überall liest, klingt fast immer gleich: sanft mit ihr reden, sie trösten, ihr zeigen, dass alles gut wird. Genau das war bei uns über Monate das, was am wenigsten gebracht hat.

KLINGT UNLOGISCH, ICH WEISS. Ich sitze seit einiger Zeit in einem Online-Basiskurs für Tierkommunikation – aus Verzweiflung, nicht aus Überzeugung –, und das war das Erste, was ich lernen musste: Mein eigenes Mitleid war das Problem, nicht die Lösung.

Der Trost-Reflex, der die Angst nur verstärkt

Jedes Mal, wenn ich mit dieser besonders sanften, bemitleidenden Stimme ankam, hat sie sich noch tiefer unters Sofa gedrückt. Sie hat offenbar gespürt, dass ich innerlich schon auf ein Drama eingestellt war, bevor überhaupt etwas passiert ist. Im Kurs heißt es, dass Tiere genau diese Erwartungshaltung aufnehmen – beweisen kann ich das nicht, ich kann nur sagen: Bei uns hat sich etwas geändert, als ich aufgehört habe, sie aktiv beruhigen zu wollen.

Einfach nur ruhig neben ihr zu sitzen, ohne etwas von ihr zu erwarten, ist eine eigene kleine Übung für sich – dazu gibt es andernorts mehr Details. Hier nur so viel: Es hat länger gedauert, das wirklich hinzubekommen, als ich anfangs dachte.

Mein Maßstab inzwischen: Wenn meine Schultern beim Gedanken an die Box noch hochgezogen sind, warte ich, und wenn es nur fünf Minuten sind, bevor ich überhaupt in ihre Nähe gehe. Manchmal drehe ich vorher noch eine Runde durch den Clara-Zetkin-Park, nur um selbst runterzukommen.

Das Problem mit der Wolldecke

Eine Sache, die ich ausprobiert habe und die überhaupt nichts gebracht hat: Ich habe eine Wolldecke mit meinem eigenen Geruch unter das Sofa gelegt, in der Hoffnung, dass sie den Geruch mit Sicherheit verbindet. Sie hat die Decke praktisch ignoriert, ist einmal drübergelaufen und danach einen Bogen darum gemacht. Kein Fortschritt – eher das Gegenteil, als hätte ich ihr Revier ohne Erlaubnis erweitert.

Diese Phase, in der man sich fragt, ob überhaupt etwas passiert oder man sich das komplett einbildet, gehört anscheinend zum Anfang dazu – darüber ließe sich ein eigener Text schreiben. Bei mir kam die Skepsis nach jedem gescheiterten Versuch zurück, mal mehr, mal weniger.

Die Freundin, die mir den Kurs überhaupt erst vorgeschlagen hat, geht montags eigentlich zum Lindy-Hop-Kurs im Werk 2 und hatte die Idee eher nebenbei hingeworfen. Sie lacht mich bis heute halb aus, wenn ich ihr von der Wolldecke erzähle.

Echte Fortschritte oder nur Einbildung

Meine skeptische Seite meldet sich fast jedes Mal. War das jetzt echt, oder einfach eine müde Katze, die zufällig näherkam? Ob solche kleinen Zeichen überhaupt etwas bedeuten oder reiner Zufall sind, ist gerade für Skeptikerinnen wie mich ein eigenes Thema. Und ob ein Bild in meinem Kopf wirklich von ihr kommt oder nur meine eigene Fantasie ist, kann ich oft selbst nicht sauber trennen – auch dazu gibt es an anderer Stelle mehr.

Was bei mir hilft: Ich schreibe nur auf, was ich tatsächlich sehe – eine Pfote, die einen Zentimeter rauskommt, ein Schnuppern an der Socke, ein Gähnen –, nicht, was ich mir einbilde, dass es bedeutet. Wie man Körpersprache bei einer Katze überhaupt richtig liest – Ohren, Blinzeln, Schwanzhaltung – ist nochmal ein eigenes großes Thema für sich. Erst später, mit etwas Abstand, schaue ich mir das Muster an. Getrennt bewerten, nicht im selben Moment.

Es gibt im Kurs noch andere Werkzeuge – Arbeit auf Distanz, sogar eine Einhandrute zum Testen von Bedürfnissen –, aber die habe ich bei einer Katze, die schon von einer sanften Stimme gestresst ist, bisher nicht angerührt.

Erst dich selbst beruhigen, dann die Angstkatze

Die Box steht inzwischen schon einige Tage vor jedem Termin einfach im Wohnzimmer, ohne dass ich sie extra hervorhole. Der Kurs nennt das Senden von mentalen Bildern; wie genau das funktionieren soll, ist ein eigenes Thema, das ich hier nicht auswalze. Manchmal blockiert der eigene Kopf das Bild komplett, bevor es überhaupt ankommt, auch das wäre nochmal ein eigenes Thema für sich. Was ich stattdessen mache: jedes Mal, wenn ich an der Box vorbeigehe, bewusst ausatmen, statt den Atem anzuhalten.

Ob das jetzt Tierkommunikation ist oder einfach, dass sie sich nach den Monaten an den Anblick der Box gewöhnt hat, weiß ich nicht. Ich habe mir oft überlegt, was meine Katze unter dem Sofa eigentlich denkt, wenn sie mich da so sitzen sieht. Vermutlich hält sie mich für leicht bekloppt.

Was ich aus der letzten Zeit mitnehme, ist eher unspektakulär: Bei einer Angstkatze – vor allem bei einer mit Vorgeschichte aus dem Tierschutz – bringt aktives Trösten fast nie das, was man sich erhofft. Telepathie mit Katzen lernen heißt in der Praxis vor allem: die eigene Anspannung runterfahren, bevor man überhaupt in ihre Nähe geht – und akzeptieren, dass an manchen Tagen NICHTS passiert.

Der nächste Tierarztbesuch wird deswegen vermutlich trotzdem kein Spaziergang. Aber die Box steht jetzt offen im Wohnzimmer, statt erst kurz vorher aus dem Keller geholt zu werden, und allein das hat schon einiges verändert. Wenn du auch eine Angstkatze hast: Fang nicht bei ihr an. Fang bei deiner eigenen Anspannung an – der Rest kommt danach, oder eben auch nicht.

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